Generell konnte ich bis vor ein paar Jahren mit Sport nicht wirklich viel anfangen. Und selbst da gibt es noch Abstufungen – man mag es kaum für möglich halten.

Als überzeugter Couch-Anhänger war Laufen so ziemlich das Allerletzte, was mir in Bezug auf Aktivität in den Kopf kam. Ich hing eher dem Glauben an, dass gerade Joggen oder gar noch schnellere Bewegungen mit den Beinen eher dem ungesunden Spektrum menschlicher Aktivitäten zuzuordnen sind. Bei einem Gewicht von 120 und mehr Kilogramm keine ganz falsche Annahme. Aber: alle Recherchen im Internet und der Rat der Mediziner deuteten darauf hin, dass das nicht so sein musste. Langsam anfangen und dennoch dran bleiben. Eine seltsame Kombination aus Geduld und Disziplin war offensichtlich gefragt. Alles zusammen – Laufen, Geduld, Disziplin – schon für sich alleine absolut nicht mein Ding. Und das Spiel bei schlechtem Wetter auch noch auf einem Laufband? Also bewegen in der Wohnung? Der erste Anlauf ging denn auch tatsächlich in die Hose. Es dürfte von allem ein wenig gefehlt haben. Noch dazu waren die Verlockungen von TK Pizza, Gin, Bier und Rotwein einfach zu groß. Letztere waren auch noch einfach. Einfach im Vergleich zu den drei geforderten. Der echte Turnaround kam erst mit dem zweiten Anlauf. Ich wiederhole mich an der Stelle gerne! Es kam einfach der Punkt, an dem mir klar wurde: Ich bin ein fauler, verfressener Alkoholiker, der sich nicht im Griff hat. Kein Spaß! Bis die Erkenntnis in Laufen, Geduld und Disziplin umgewandelt wurde, vergingen weitere Monate. Dann machte es Klick und die Sache nahm langsam fahrt auf. Der Start war dabei eher ein schnelles Gehen. Solange bis mal die ersten 10 oder 15 kg von den Rippen abgefallen waren. Krafttraining und Radeln waren dabei eine weitere große Hilfe.
Süchtig nach Bewegung
Allmählich konnte ich so das Pensum und die Geschwindigkeit steigern. Mit diesen neuen Ausdauer-Fähigkeiten steigerte sich dann auch langsam die Cardio Fitness von 32,9 im Januar 2023 auf mittlerweile um die 46 im Februar 2026. Die Richterskala ist hier noch nach oben offen. Auf dem Laufband oder in der freien Wildbahn – eine Laufeinheit pro Tag ist mittlerweile vor allem im Winter Pflicht. Im Sommer wird die gerne mal durch eine längere Radl-Tour mit dem Gravel ersetzt. Mittlerweile habe ich aus dem Laufen für mich selbst eine eigene Wissenschaft gemacht. Ich bin fast schon süchtig danach. Immer auf der Jagd nach neuen Bestwerten. Dennoch versuche ich nach wie vor mich langsam und kontrolliert zu steigern. Mir ist auch klar, dass einmal der Punkt kommt, an dem es einfach nicht mehr weiter geht – zumindest was die Werte angeht. Dann kommen andere Faktoren zum Zug. Die Strecke etwa, die man noch deutlich erweitern kann. Oder die Sportart. Radeln ist genauso angesagt wie Laufen. Am liebsten im Wechsel, manchmal sogar beides an einem Tag. Ohne geht einfach nichts mehr. Wenn ich – aus welchem Grund auch immer – nicht zu meiner Bewegung komme, bin ich gereizt und werde rasch unausstehlich. Also erst mal eine runde Laufen!
Ein paar Vorteile
Gerade gestern konnte ich dann wieder die Vorteile der täglichen Bewegung sehen: 90 zeigte das Blutzucker-Messgerät an. Der bisher niedrigste Wert, den ich bei mir messen konnte. Auch insgesamt habe ich damit mein Diabetes (Typ 2) soweit im Griff, dass ich keine Medikamente brauche. Und ich mache mir mittlerweile deutlich mehr Gedanken über den Aufbau und die Gestaltung meiner nächsten Laufeinheit als zu den Problemen der Menschheit. Ein klein wenig kann man denen durchaus davon rennen. In diesen Zeiten definitiv kein Fehler. Wenn jetzt noch der Winter langsam mal verschwinden würde, wäre das auch in diesem Draußen wieder ganz wundervoll. Denn eines habe ich noch nicht gepackt: Laufen bei Minusgraden und vereisten Wegen. Da muss dann das Laufband her halten. Das wird sich vermutlich nicht ändern. Dafür habe ich das Ding und ich nutze es. Schlechtes Wetter kann man auf irgendwelchen Heavy Metal Festivale zur Genüge abfeiern. In diesem Sinne: Never not Moving!

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